Stiftung
Seiler

Das Chartres-Labyrinth
im Schlössli Ins

 


Im Rosenhofpark wurde das Chartres-Labyrinth nachgebildet und in Details neu interpretiert.

Die wichtigste Quelle der Forschung: „Das Labyrinth in der Kathedrale von Chartres“ von Jobst D. Walter, Verlag am Goetheanum 1996.

 

Das Labyrinth in Chartres (Frankreich)

Das Labyrinth in Chartres ist wohl das berühmteste und vollkommenste Labyrinth der Welt. Es wurde um das Jahr 1200 errichtet, als die Kathedrale nach dem Brand neu aufgebaut wurde.

Hinter dem Bau der Kathedrale steht „die Schule von Chartres“, einer der wichtigsten Mysterien-Orte des damaligen Europas.

Das Labyrinth finden wir schon in der kretischen, frühen griechischen Kulturwelt. Der Mythos des Minotaurus, halb Mensch, halb Stier, finden wir auch im Kentaur. Die griechische Theseussage und die Bezwingung des Minotaurus zeigt einen michaelischen Impuls. Noch bis in die Renaissance befand sich eine viereckige Kupferplatte mit dem Motiv des Minotaurus und Theseus mitten im Labyrinth. Man fand eine griechische Vorform des Chartres-Labyrinths. 

Die Kathedrale von Chartres ist eine der schönsten frühgotischen Sakralbauten. Ihre Achse ist nicht genau gegen Osten, wie die üblichen Kirchen gerichtet, sondern gegen Nordosten in Richtung des Aufgangs der Sonne am längsten Tag, am Johannistag.

Gegen Süd-Westen zeigt die Achse zum Ort des Sonnenuntergangs an Weihnachten.

Interessant ist, dass der geografische Gegenpol von Chartres die Antipodeninseln (etwa 5.6 Quadratkilometer) sind. Sie liegen etwa 1000 Km südöstlich von Neuseeland.

Wie in allen Kirchen ist das spirituelle Zentrum der Altar. Von dort wird durch die Priester die geistige Welt vermittelt. Doch in Chartres gibt es einzigartig ein zweites Zentrum, das Labyrinth. Hier soll der Mensch selbst aktiv, den Weg ins Zentrum suchend, Gott in sich finden. Hier ist kein priesterlicher Vermittler zu Gott mehr notwendig, hier wird der mystische Weg versucht, einen Kultus von unten, zu zelebrieren.

 

Das Labyrinth im Schlössli Ins (Schweiz)

Inmitten des Rosenhofparks liegt die elliptische Arena mit Tor und Zugangswege. Die Längsachse dieser Arena zeigt gegen Nord-Osten zum Aufgang der Sonne am längsten Tag und gegen Süd-Westen zum Untergangsort der Weihnachtssonne hinter dem Neuenburger See. In der Mitte der Arena ist das maßstabgetreue Abbild des Labyrinths von Chartres (12,5 Meter der Durchmesser, Länge des Weges etwa 260 Meter, Breite des Weges 35 cm). Das Inser-Chartres-Labyrinth hat den Kranz des Labyrinths so abgeändert, dass nur 60 Einbuchtungen zu sehen sind. 5 Einbuchtungen pro Tierkreiszeichen. Im Gegensatz zu Chartres, wo oft Stühle das Labyrinth verdecken, kann es in Ins Tag und Nacht begangen werden. Über dem Labyrinth wölbt sich mit 24 Stützen ein Jurten-ähnliches Zeltdach.

Auf den Mauern der Arena korrespondieren 12 Tierkreis-Throne aus Eisenbeton, mit Mosaiken ausgestaltet, mit dem Labyrinth.

 

Die 11 Sphären des Labyrinths im Zusammenhang mit den Planeten und den Engel-Hierarchien.

Einmalig wird im Inser-Chartres-Labyrinth der Zusammenhang mit den Planeten und den Hierarchien gezeigt (Darstellung 1).


Schon Dante Alighieri beschreibt in seiner Göttlichen Komödie den Weg vom Inferno über das Purgatorium ins Paradies. Dort trifft er Beatrice, seine Geliebte. Sie begleitet ihn durch alle Planeten- und Hierarchiesphären zum Kristallhimmel (Tierkreissphäre). Dort erblicken sie das Auge Gottes.

Im Labyrinth haben wir im Zentrum die Erde, das Feste. Nun folgen in 11 Sphären die Elemente und die Planeten: Wasser, Luft, Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Parallel zu diesen Sphären sind von Innen nach Außen die Elementargeister und die Engelhierarchien eingezeichnet. So führt der Weg durch alle Sphären. Die Sphären sind von Außen nach Innen nummeriert:

1 - Neptun(Ne) - Seraphim               

2 - Uranus(Ur) - Cherubim

3 - Saturn(Sa) - Throne

4 - Jupiter(Ju) - Kyriotetes(Herrschaften)

5 - Mars(Ma) - Dynamis(Mächten)

6 - Sonne(So) - Exusiai (Gewalten) - Christusbogen

7 - Venus(Ve) - Urkräfte

8 - Merkur(Me) - Erzengel

9 - Mond (Mo) - Engel

10 - Luft(Lu) - Sylphen

11 - Wasser(Wa) - Undinen

 

Der Labyrinthweg

Der Eingang des Labyrinths erfolgt vom Westen her. Das Ziel ist der Mittelpunkt, sechsblättrige Rosette. Das Labyrinth ist kein Irrgarten mit Sackgassen. Sondern ein 260 Meter langer Pilger- oder Um-Weg zum Ziel:

Zuerst führt der Weg geradewegs in Richtung des Zentrums, aber nur bis an die Aussenwand des Innern. Darstellung 2


Weiter führt der Weg 4 Sphären nach Aussen. Darstellung 3

 


Dann wieder nach Innen an die Aussenwand des Zentrums. Darstellung 4


Jetzt geht der Weg stetig durch alle 11 Sphären nach Aussen und erreicht die Peripherie bis an die Innenwand der Tierkreissphäre. Darstellung 5


Nun wendet sich der Weg wieder etwas nach Innen durch 4 Sphären. Darstellung 6


Der weitere Weg führt kurz nach Aussen, ganz in die Peripherie. Darstellung 7


Der Schlussweg ist nun von ganz Aussen, über eine Schleife, bis nach ganz Innen, in die sechsblätterige Rosette. Darstellung 8


Dieser siebengliedrige Pfad hat etwas Geheimnisvolles. Der erste Teil entspricht dem letzten. Der Innen- und Aussenraum wird voll erlebt. Das Zentrifugale und das Zentripetale, das Luziferische und das Ahrimanische löst sich im Wechselspiel ab. Es wird das Zentrum von Innen und Aussen gesucht.

Die erste Wegstrecke (1) geht zuerst über die Marssphäre, gewissermaßen als dynamischer (Dynamis) Initialanstoss. Dann kurz durch die zwischen Innen und Aussen vermittelnde Sonne (Exusia) bis fast ganz nach Innen zur Wassershäre (Undine). Bei Dante Alighieri führt der Weg ins Innerste der Welt, wo das Inferno ist.

Der weitere Weg (2) führt wieder hinaus bis zur Venus-Sphäre, auch der Urkräfte. Die Urkräfte präsentieren die Zeitgeister, seit 1879 St. Michael. Es ist interessant, dass dieser zweite Weg von innen nur an die Sonnen-Sphäre herangeht, also bei den inner-sonnigen Planeten bleibt.

Nun führt der Weg (3) weiter nach Innen bis zur Wasser-Sphäre, an die Aussenwand der Rosette. Wieder ist das Zentrum nahe.

Jetzt führt der Weg (4) von Innen zur Sonnen-Sphäre, um durch sie hindurch zu stossen und dann durch die weiteren Sphären hinauf zu steigen, bis zur Neptun-Sphäre (Seraphim), an den Kristallhimmel, den Tierkreis.

Es ist der Weg nach Aussen. Der Weg Dante Alighieris mit Beatrice bis vor das Auge Gottes.

Anschliessend geht der Weg (5) wieder nach Innen, aber nur bis in die Jupitersphäre, von Aussen an die Sonnen-Sphäre anschmiegend. Es ist der Weg von Aussen durch die obersonnigen Planeten. Eine Spiegelung des Wegs, der vorher von Innen an die Sonnen-Sphäre heran kam. Sie wird nicht durchdrungen und behält so ihre zentrale Stellung.

Nun steigt der Weg (6) noch einmal ganz in die Peripherie an die Innenwand der Tierkreissphäre, in die Sphäre des Neptun und des Seraphim.

Es folgt der Schlussweg (7) über die Schleife der Sonnen- und der Venus-Sphäre. Die Sonne als die Zentralkraft initiiert den Schlussgang ins Zentrum. Die Venus als liebende, kreative Kraft zeigt die Harmonie des sich Finden im eigenen Zentrum. Darstellung 8

Dieser Schlussweg spiegelt den Weg am Anfang über die Mars- und Sonnen-Sphäre bis fast ins Zentrum. Am Anfang Mars und Sonne, am Ende Sonne und Venus. Die Sonne ist harmonisierend zwischen Mars und Venus. Mars, die impulsierende Anfangskraft (Widder), die Venus als Kraft der liebenden Findung des Zentrums (Waage). All diese Spiegelungen zeigen diese wunderbare Kraft der Polarität, Innen-Aussen; was Innen ist, ist auch Aussen, was Aussen ist, ist auch Innen. Diese Grunderkenntnis der Alchemie, des Hermes Trismegistos, ist in dieses Labyrinth hineingeheimnisst.

 


Der Weg wird auch rhythmisiert zwischen Viertel- und Halbbögen. Die Viertelbögen(V) stoßen jeweils ans Labyrinth Kreuz an, die Halbbögen(-) durchdringen es.

Auf Darstellung 9 werden die Rhythmen gezeigt und von einander mit einem Punkt getrennt: vv- . –vv . –v . –v . -vv . –v . Hier kommen wir in die Mitte der Rhythmen auf den Sonnen- oder Christusbogen mit einem Halbbogen(-), der den Labyrinthweg in der Mitte überspannt.

Nach dem Christusbogen gehen die Rhythmen symmetrisch zu den vorigen Rhythmen weiter: v- . vv- , v- . v- . vv- . –vv . Nun sind wir im Zentrum angelangt. So ist der Christusbogen qualitativ in der Mitte des Labyrinth Weges. Es hat also genau so viele Rhythmen vor dem Christusbogen wie danach. Der Weg selbst aber ist bis zum Christusbogen quantitativ nur ein Drittel des ganzen Weges, weil die Viertel- und Halbschleifen nach dem Christusbogenmehr an der Peripherie und darum länger sind.

 


Labyrinth-Rhythmen

Anfangsrhythmus:  steigend

1.   Anapäst vv-

 

Rhythmen bis zum Sonnenbogen: fallend

johanneisch (Erkenntnis), apollinisch, nach Innen

2.   Daktylus -vv

3.   Trochäus -v

4.   Trochäus -v

5.   Daktylus -vv

6.   Trochäus -v

 

Sonnenbogen, Christusbogen, Weglänge vor und nach der Mitte: 1 zu 2

Thema Mitte

 

Rhythmen bis zum Schluss: steigend

paulinisch (Liebe), dionysisch, nach aussen

7.   Jambus v-

8.   Anapäst vv-

9.   Jambus v-

10. Jambus v-

11. Anapäst vv-

 

Schlussrhythmus: fallend

12. Daktylus -vv

Die Rhythmen spiegeln sich: 1. zu 12., 2. zu 11., 3. zu 10., 4. zu 9. usw.

Der Sonnenbogen bildet die Mitte.

 

Sphären-Harmonie

Nummeriert von Außen nach Innen

Von links nach rechts

Nummerierung der Rhythmen bis zum Sonnenbogen(unten):

                             1.                   2.                       3.             4.              5.                     6.

Metrum            v    v    -   .    -     v     v    .     -    v     .   -      v    .   -     v     v    .   -      v     

in Sphäre        Ma So W .    Lu Mo Me .     Ve Me .   Mo Lu  .   Wa Lu Mo  .  Me Ve  .

in Schicht        5.   6.  11.    10. 9.    8.          7.  8.        9. 10,       11.10. 9.        8.   7.

Schichtnummern addiert von Oben und Unten gibt immer 12. z B.: 5 und 7,

6 und 6.   11 und 1. usw.

von rechts nach links:

in Schicht       7.   6.   1.         2.  3.  4.        5.   4.      3. 2.         1.    2.   3.      4. 5.

in Sphäre       Ve So  Ne  .    Ur Sa Ju  .    Ma Ju  .   Sa Ur  .   Ne  Ur  Sa  .   Ju Ma  

Metrum         v    v     -     .    -     v   v   .     -     v   .    -    v    .   -      v     v    .   -   v

                                    12.                  11.            10.           9.                     8.           7.

Nummerierung der Rhythmen nach dem Sonnenbogen(oben)

Der Sonnenbogen ist zwischen dem 6. und 7. Rhythmus

 

Drehungen und Wendungen im Labyrinth

Das Sich-wenden um 180 Grad ist ein zentrales Motiv des Weges. Auf unserem Lebensweg erfahren wir oft die Situation, dass wir uns auch innerlich wenden müssen, um weiter zu kommen. Das Kreuz fordert uns auf: „Wende deinen Sinn“ oder „Ändere deinen Sinn“. Nun wenden wir unsere Richtung auch bei der Begehung der Halb- und Viertelbögen. Zählt man nun all diese Drehungen und Wendungen bis zum Sonnenbogen, dann sind das 32 Mal. Im Sonnenbogen ist es das 33. Mal. So viele wie es Christusjahre sind. Nach dem Christusbogen sind es wiederum 32 Drehungen und Wendungen bis ins Zentrum.

 

Das Zentrum des Labyrinths als siebenfaches Meditationsritual

Dieser Schleifenweg führt schlussendlich ins Zentrum, in die sechsblätterige Rosette. Wenn wir den Eingang oder das Zentrum dazunehmen, gibt es eine Siebenheit. Im Chartres-Labyrinth im Schlössli Ins haben wir ein Gedicht von Christian Morgenstern eingeschrieben. Es hat sieben Strophen. Die ersten sechs Strophen sind in die sechs Nischen der Rosette dokumentiert, die letzte im Zentrum. Die erste Strophe ist in der Nische - vom Eingang ausgesehen – in der Nische oben links, die folgenden im Gegenuhrzeigersinn anschließend zu lesen. Darstellung 9

Geschöpf nicht mehr,
Gebieter der Gedanken (1).

Des Willens Herr,
Nicht mehr in Willens Frone (2).

Der flutenden Empfindung
Maß und Meister (3).

Zu tief,
um an Verneinung zu erkranken (4).

Zu frei,
Als dass Verstockung in ihm wohne (5).

So bindet sich der Mensch
ans Reich der Geister (6).

So findet er den Pfad
Zum Thron der Throne (7).

Christian Morgenstern

 

Dieses Gedicht in der Rosette macht Sinn, weil es auf den Pfad in die geistige Welt aufmerksam macht und zu dem Thron der Throne führt. Dieser Thron beinhaltet das Geistes-Wärmefeuer, das unser Ich braucht, um sich in der Welt zu inkarnieren, um aber stets auch die Verbindung zur geistigen Heimat zu erinnern.

Der Weg führt im Labyrinth in Ins auch zu den 12 Tierkreis-Thronen in der Peripherie. Im äussersten Ring der Tierkreiszeichen zeigt immer ein bestimmtes Tierkreiszeichen zu einem entsprechenden Tierkreis-Thron.

 


Der siebenarmige Leuchter, die Menorah.

Aus der Zeichnung des Labyrinths ist auch die Menorah herauszudeuten. Siehe Darstellung 10. 


In der Bibel erhält Moses von Jahve die Menorah im 13. Jahrhundert vor Christus. Es ist ein wichtiges Symbol der jüdischen Kultur. Es ist ein Zeichen der Erleuchtung.

 


Das Labyrinth von Chartres ist im 13. Jahrhundert nach Christus erstellt worden. In Mitten dieser Zeit findet das Christusereignis statt. Auch hier sehen wir wiederum die Mitte des Christusbogens.

 

Das Labyrinth als Rosenkreuz

Das Labyrinth zeigt eine klare Kreuzform. Es entsteht durch die Viertelbogen, die sich in diesen Vierteln wenden. Sie stoßen gleichsam an das Kreuz. Kreuz bedeutet zugleich Erde, Tod, Materie. Am Kreuz erleidet Christus den Todesprozess. Dieses Anstossen an die wichtige Pforte Tod zelebrieren die Viertelbogen.

Doch darauffolgend durchstoßen die Halbbogen das Kreuz. Hier zeigt sich die Überwindung des Todes durch die Auferstehung. Das Kreuz wird durch das Hindurchstossen ätherisiert. Diese Ätherisierung wurde durch die lebendige Rose dargestellt, eben des Rosenkreuzes. Die Alchemisten nannten diesen Prozess von der Vierheit (Kreuz) zur fünfblätterigen Rose; das Finden der Quintessenz. Das eigentliche Rosenkreuz mit Sonnenkreis und den sieben Rosen ist in der Mitte des Labyrinths dargestellt. Im Sonnenbogen sind die Rosenkreuzerworte eingeschrieben: „Ex Deo nascimur“ „In Christo morimur“ „Per spirit sanctus reviviscimus“ Aus Gott geboren. In Christus gestorben. Durch den heiligen Geist wiedergeboren.